Wappen von MettmenstettenLande ich per Zug oder per Auto in Mettmenstetten, fallen mir zunächst die verstreuten Höfe auf. Sie wurden in den 60-er Jahren gebaut, nachdem 1956 die Güterzusammenlegung beschlossen war. Der neue Zonenplan legte den Weg frei für ein neues Gemeindehaus und weitere Neubauten, welche das Dorf für neue Bewohner öffnete.
Lange ich vor dem dominanten Gemeindehaus Gemeindehausan, sticht mir darüber gleich der spitze Kirchturmhelm auf. Er ist das Werk des Fortschrittglaubens zu Anfang unseres Jahrhunderts, welcher von unserer Zeit das Paradies erwartete. In diese zeit wollte man stolz einziehen, und so wurde der mittelalterliche "Chäsbissen" 1898 durch den modernen Helm ersetzt.
Schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Stolz der Mettmenststter einmal gewaltig gewachsen: die Helvetik gab dem feudalen Vogtsitz in Knonau das Nachsehen und ernannte das behäbige Mettmenstetten vorübergehend zum Distrikthauptort. Später mussten dann die Franzosen als Alibi herhalten, als man des Gewinnes wegen um 1830 herum die alten Glasscheiben des Chores an einen Antiquitätenhändler verquantet hatte...
Aus dieser Zeit (um 1800) stammen auch etliche der schönen Wohnsteinbauten wie das Haus Zürichstrasse 16, das Pfarrhaus (1763) und auch die erste Sekschule ausserhalb der Stadt Zürich, das alte Sekundarschulhaus.Altes Sekundarschulhaus Viele ältere Bauten sind in unserem von Riegelbauten geprägten Dorf nicht zu finden. Interessant aber ist doch die "Flarzbauweise", d.h. der Einbau verschiedener Wohnungen im gleichen Haus, entweder in Reihe oder im Viertel. Der Riegelbau ist vorherrschend, allerdings meist ohne Klebdach, wie das im Zugerland Brauch ist.
Das wahrscheinlich älteste Bauwerk in Mettmenstetten ist die KircheKirche mit Langhaus und Chor, erbaut um 1520/21. Sie ersetzte eine ältere romanische Kirche, erbaut wahrscheinlich im 13. Jahrhundert, mit quadratischem Chorbau, aber einer Grundfläche, die nur halb so gross ist wie die der bestehenden Kirche. Der älteste Bau wies eine halbrunde Apsis auf, geostet, wahrscheinlich im 11 Jahrhundert unterzubringen.
Das Dorf selber findet seine erste sichere Erwähnung 1116 als "Metemunsthal". Aufmerksame Spaziergänger können sich aber vorstellen, dass schon zur Römerzeit unsere Gegend bewohnt war (Fundamente eines Gutshofes auf dem Langacher), ja schon vorher Menschen hier in Rodungen wohnten, finden sich doch in den kleinen Wäldchen Richtung Affoltern Hügelgräber aus der Bronze-Zeit und im Wald Nähe Grüt Steinsetzungen aus vorgeschichtlicher Zeit.

Kehren wir ins Dorf zurück, stossen wir vor dem Gemeindehaus auf das Gemeindewappen mit zwei schwarzen Einhörnern auf weissem Grund. Sie weisen auf die mittelalterlichen Besitzverhältnisse zurück, unter denen wir zum Lehensbesitz der Hünenberger gehörten. Diese Zuordnung weist auf die Vergänglichkeit aller Organisationsideen hin. So selbstverständlich die Mettmenstetter heute zu Kanton Zürich gehören, so eindeutig waren sie im Mittelalter Teil der Bewohner des Reusstales, mit Blick auf die Rigi.Rigi Zug lag näher, kirchlich war Mettmenstetten Teil des Dekanates Freiamt, das sich vom Aegerisee bis nach Bremgarten erstreckte. Noch heute bezeichnet man das Gebiet um Mettmenstetten als Vorderamt, das Gebiet um Hausene als Oberamt, den Rest des Säuliamtes aber als Hinteramt. Diese Ausrichtung und dieser Abstand zu Zürich sind immer noch deutlich zu spüren - und als Frage durchaus sinnvoll: Sollen wir uns von der Agglomeration Zürich einfach so schlucken lassen, oder als "Stätte der Mitte" im Abwägen nach allen Seiten unsere Unabhängigkeit zwischen Luzern, Zug und Zürich bewahren?

 


Wanderung entlang der Gemeindegrenze

Chronik der Gemeinde Mettmenstetten

ca. 2000 v. Chr.
bis 900 v. Chr.
Die Spuren der ersten Siedlungen in Mettmenstetten gehen auf die Bronzezeit zurück.
ca. 580 v. Chr.
bis 400 v. Chr.
Aus dieser Periode sind in Dachlissen, Ober-Mettmenstetten und auf der Allmend Flachgräber entdeckt worden.
ca. 100 nach Chr.
bis 200 nach Chr.
Im Brand, Langacher und Hauägerten fand man römische Baureste aus dieser Zeit.
350 Erst um diese Zeit haben Allemannen nach Rodung des Waldes grössere Siedlungen erstellt.
998 In Mettmenstetten soll schon eine Kirche bestanden haben. Diese sei den Aposteln Paulus und Petrus geweiht gewesen und vom Papst Gregor V (996 - 999) als Eigentum des Klosters Pfäfers bestätigt worden sein. Das Patronat über die Kirche Mettmenstetten ging später auf das Kloster Murbach. Auch in Dachlissen hatte das Kloster Murbach Grundbesitz.
ca. 1000 Die Herren von Eschenbach-Schnabelburg und das Kloster Schänis hatten in Mettmenstetten Grundbesitz. Dieser wurde durch die Meier in Knonau verwaltet. Daneben gab es auch freie Bauern, vor allem in Unter-Mettmenstetten und in Dachlissen, die ihr eigenes Freigericht in Rifferswil hatten. In Rossau soll auch das Haus Habsburg Grundbesitz gehabt haben.
1116 "Metemunstat" ist erstmals urkundlich als Dorf erwähnt.
1221 Rossau wird erstmals urkundlich erwähnt.
1240 Es wird ein Leutpriester in "Mättmanst" erwähnt
1243 Mettmenstetten kam zeitweilig an das Kloster Luxeuil, dann an den Bischof von Konstanz
1309 Nach dem Rachefeldzug bzw. der Vertreibung der Herren von Eschenbach-Schnabelburg (wegen Beteiligung Walters IV an der Ermordung König Albrechts) kam die Vogtei Knonau mit Ober-Mettmenstetten an die Ritter von Hünenberg.
1360 Der Patronatsherr Bischof Heinrich III von Konstanz verpfändete die Nutzungen der Kirche von Mettmenstetten an Rudolf von Hünenberg, Bürger von Mettmenstetten.
1398 Die Vogtei Knonau mit Ober-Mettmenstetten war bei den Rittern von Seon. Sie ging dann vorübergehend an die Ritter von Landenberg und bald darauf an die Herren von Heidegg über.
1399 Diese übertrugen die Vogteirechte an die Meier von Knonau.
1415 Die Vogtei Unter-Mettmenstetten mit der hohen Gerichtsbarkeit kam an Zürich und wurde mit der Vogtei des Städtchens Maschwanden vereinigt.
1459 Die Kirche Mettmenstetten wird dem Domstift von Konstanz inkorporiert.
1468 Die Mettmenstetter beteiligten sich der hohen Steuern wegen, die ihnen die Zürcher auferlegten, auch an den Wädenswiler Unruhen. Am 25. Oktober 1468 wurden die Rädelsführer mit bewehrter Hand am Rennwegtor zur Walstatt geführt, wo eine "Brügi" aufgerichtet war und dort enthauptet. Andere taten vor Rat und Bürgern mit Tränen und Heulen knienden Fussfall und wurden ehr- und wehrlos erkannt. Wieder andere wurden unter Auferlegung hoher Geldbussen heimgelassen. Unter den Letzteren befanden sich folgende Mettmenstetter:
Rudolf und Heinrich Funk
Joggeli Vollenweider, Müller in der Hübscheren
Joggeli Frei, genannt "Rössli-Wirt"
Jochrin Weiss von Herferswil
Die Brüder Heini und Ludi Buchmann von Dachlissen
1473 Der Dekan der Kirche Mettmenstetten erliess einen sogenannten Bettelbrief, welcher gestattete, innert gewissen räumlichen und zeitlichen Grenzen Geld für einen Kirchen-Neubau zu sammeln.
1489 Das Regiment der "gnädigen Herren" von Zürich war willkürlich und drückend. Vor dem Waldmannschen Aufstand wehrten sich die Mettmenstetter entschieden und mit Erfolg gegen die Hundeschlächterei.
1492 Die erste Glocke wurde gegossen.
1493 Die kleinste Glocke wurde gegossen und als Wetterglocke geweiht. Dekan und Leutpriester Johannes Keller stiftete eine ewige Messe zu Ehren der Heiligen Anna, Christphorus, Wendelin und aller Heiligen auf dem Altar zur rechten Seite des Chores, wofür er selbst 29 Gulden und Margreth Pürlin ihr Haus auf der vorderen Hofstatt gaben.
1504 Auf der Anhöhe westlich des Dorfes Rossau "Rossovum" soll eine Kapelle gestanden haben, die in der Reformationszeit einging. Das Glöcklein dieser Kapelle soll jetzt auf dem Hauptgebäude des Stadt-Zürcherischen Wohn- und Werkheims zur Weid in Rossau sein.
1512 Die Stadt Zürich erwarb von den Meiern von Knonau die Vogteirechte.
1512 - 1798 In dieser Zeit bildete das ganze Gemeindegebiet von Mettmenstetten einen Bestandteil der Landvogtei Knonau.
1521 Die geschnitzte Holzdecke des Kirchenschiffes mit prächtiger Mittelfüllung und guten Bildern wurde erschaffen. Wertvolle Glasgemälde mit Standeswappen, die zu jener Zeit gestiftet wurden, sind leider 1799 von den Franzosen gestohlen worden.
1525 Einführung der Reformation (nach dem Bildersturm).
1529 Die Kirche von Mettmenstetten geht samt Zehnten und Kirchensatz vom Bistum Konstanz an die Familien Kleiner, Gallmann und Winkelmann von Mettmenstetten über. Noch im gleichen Jahre verkauften diese drei Familien den Kirchensatz an den Rat von Zürich, der seit 1527 auch die Kollatur besass.
1552 Der Neubau des Kirchturmes. Die Glockenstube wurde höher gehoben und das Satteldach (Käsbisse), dessen First Nord-Süd-Richtung hatte, aufgesetzt.
1651 Südlich der Kirche wurde für 226 Gulden das erste Schulhaus in Mettmenstetten erbaut.
1762 Das Pfarrhaus wurde neu erbaut.
1795 Es wurde die letzte Landsgemeinde im Rüteli abgehalten. Das "Rüteli" war ein gemeindeeigener Platz für die Abhaltung von Volksversammlungen.
1798 Nach der helvetischen Staatsumwälzung konnten die unterdrückten Untertanen endlich frei aufatmen und selber die Geschicke ihres neu gebildeten Gemeidewesens leiten. Mettmenstetten wurde Distrikthauptort.
1799 Als Mettmenstetten Hauptort war, erlitt es durch die Einquartierung der französischen Truppen schwere Schädigungen, deren Betrag soll auf Fr. 1'200'000.- geschätzt worden sein.
1803 - 1804 In der Mediationszeit kam Mettmenstetten zum Bezirk Horgen. Als in dieser Periode die Aristokraten der Stadt Zürich die Landschaft wieder unter ihre Herrschaft zu bringen suchten, beteiligten sich auch Bürger von Mettmenstetten am sogenannten Bockenkrieg. Sie wurden dafür von der Obrigkeit mit 2500 Gulden gebüsst und die vier Mettmenstetter Bürger Häberling, Schneebeli, Kleinert und Willi wurden zum Tode verurteilt. Das Denkmal in Affoltern a.A., wo die Namen der vier verewigt sind, zeugt davon. Die vier zum Tode verurteilten wurden vom Volke als Märtyrer der Freiheit verehrt.
1814 Mettmenstetten kommt wieder zum Oberamt Knonau.
1820 Nach Mitteilung von Dekan Reutlinger sind im südlichen Teil des Friedhofes die Grundmauern eines Beinhauses zum Vorschein gekommen.
1823 Bau des Amtsschulhauses, der ersten Sekundarschule der Zürcher Landschaft.
1837 Mettmenstetten kommt zum Bezirk Affoltern.
1844 Das heute noch bestehende Primarschulhaus wurde erstellt.
1846 Das alte Schulhaus bei der Kirche wurde vom damaligen Gemeindeschreiber und Zunftrichter Heinrich Funk auf Abbruch für 251 Gulden erstanden. Mit diesem Material wurde dann das heute noch stehende schöne Haus des alt Bezirksgerichtspräsidenten Karl Funk erstellt.
1864 Eröffnung der SBB-Linie durchs Säuliamt (Alte Gotthardlinie).
1869 Die Kirchenfassade ist in neugotischem Stil erneuert worden. Bei dieser Renovation ist an der nördlichen Chorwand das durch Chorstühle verdeckte Grabmal von Dekan Johannes Keller zutage gefördert worden. (Original im Landesmuseum).
1876 In der Kirche wurde eine Empore und darauf eine Orgel erstellt.
1890 Am 23. November brach nach der Einweihung der neuen Hydrantenanlage   eine Feuersbrunst im Unterdorf aus.
1897 Ein neues Geläute wurde bei Rütschi in Aarau gegossen.
1897 - 1898 Das erste Fabrikgebäude der Firma "Zürrer-Seiden" beim Bahnhof Mettmenstetten wird gebaut.
1898 Abermalige Änderung des Turms. Dieser wurde bis unter die Glockenstube abgetragen, neu aufgemauert, mit grossen Spitzbogen-Schallöffnungen versehen und mit einem hochaufragenden Spitzhelm gekrönt. Im September wurden die neuen Glocken aufgezogen und eingeweiht. An der Südfassade war eine Sonnenuhr angebracht.
1912 Innenrenovation der Kirche.
1914 Das Primarschulhaus ,das bisher auf der Ostseite im 1. und 2. Stock je eine Lehrerwohnung bessas, wurde umgebaut bzw. aus diesen Schulzimmer hergerichtet.
1915 Der neben der Albisstrasse verlaufende Dorfbach wurde eingedeckt.
1923 - 1924 In Mettmenstetten wurde der erste Turnschopf erstellt. Am Bruderrain, ob dem Gut Freudenberg, soll ein sogenanntes "Bruderhaus" gestanden haben. Es soll da ein Waldbruder in dieser "Bruderei" gelebt haben, daher der Name "Bruderrain".
1928 Das neue Sekundarschulhaus wurde erstellt. Eine für damalige Begriffe gut eingerichtete Schulküche, sowie Bade- und Handfertigkeitsräume wurden erstellt.
1928 -1929 Das bisherige Amtsschulhaus wurde in ein Lehrerwohnhaus umgebaut.
1928 Die neue Turnhalle mit "zweckmässigem Korklinoleumbelag" wurde erstellt. Gleichzeitig wurde auch der Ruf nach einer Schwimmbadanlage laut. Aber dafür hatten die damaligen Behörden der politischen und der Zivil-Gemeinde kein Gehör. Aber initiative Männer des Verschönerungsvereins liessen nicht nach, bis ihnen die politische Gemeinde das alte Kiesgrubengelände westlich des Choslihölzlis zum Bau der "Badi" unentgeltlich abgetreten hatte.
1930 Die "Badi" wurde in Fronarbeit des Verschönerungsvereins, der Turnerschaft und der Schüler fertiggestellt.
1932 Aussenrenovation von Kirche und Turm.
1939 Eingang, Umfassungsmauern und Umgebung der Kirche wurden wegen der Durchgangsstrasse geändert.
1947 Inbetriebnahme der Kläranlage Knonau.
1956 Am 10. Februrar wurde die Durchführung der Güterzusammenlegung beschlossen.
1960 Erster Gemeindeumgang.
1961 - 1962 Innenrenovation der Kirche
1963 Die Liegenschaft von Bäcker Jacques an der Bahnhofstrasse und die Häuser zwischen Rössli und Kirche wurden abgebrochen.
1964 Das Kindergartengebäude wurde erstellt.
1967 Bau der katholischen Kirche St. Burkhard im Rütteli. Dies hätte die erste Autobahnkirche der Schweiz geben sollen. Gebaut wurde nur die erste Etappe. Der jetzige Kirchenraum ist eigentlich der Kirchgemeindesaal. Das Kirchengbäude wäre nebenan anlässlich des Autobahnbaus errichtet worden...
1972 Das neue Gemeindehaus wurde eingeweiht.
1974 Das Oberstufenschulhaus wurde erweitert und durch eine Turnhalle und ein Hallenbad ergänzt.
1983 Das Primarschulhaus Gramatt wurde eingeweiht.
1984 Aussenrenovation der reformierten Kirche.
1990 Mettmenstetten wurde an die S-Bahn Zürich angeschlossen.
1994 Der Pfarrhauskeller wurde zu einem Gemeinschaftsraum umgebaut.
1996 Das Oberstufenschulhaus wurde durch einen Erweiterungsbau ergänzt.
1997 Mettmenstetten erhält eine eigene Internet Homepage...
1999 Bahnhofladen "AVEC" offen jeden Tag von 6 - 20 Uhr
Quelle: Begrüssungsschrift ref. Kirchgemeinde


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